Cultural and Social Anthropology - Tutorium

Friday, November 25, 2005

Mein Essay: Funktionalismus und Strukturfunktionalismus

Funktionalismus und Strukturfunktionalismus

Als Begründer der modernen britischen Sozialanthropologie gelten Bronislaw Malinowski und Alfred Reginald Radcliffe Brown.
Beide waren der Meinung, dass es ein kulturelles Phänomen nicht geschichtlich erklärbar sein sollte, allein seine Funktion im hier und jetzt und seine Bedeutung für die Mitglieder der Gesellschaften sind von Interesse.
Sie traten für eine gegenwartsbezogene Kultur und Sozial Anthropologie ein und waren auch für die Neuorientierung in der britischen Tradition verantwortlich.
Die so genannten „armchair anthropologists“, wie zum Beispiel Sir Edward Tylor, Lewis Henry Morgan oder James Frazer, die ihre Daten hauptsächlich aus Reiseberichten und Erlebnissen von Missionaren und Reisenden bezogen, und ihre Theorien des Evolutionismus und des Diffusionismus wurden abgelöst vom Funktionalismus des Malinowski und des Strukturfunktionalismus des Radcliffe Brown.
Um zu verstehen, warum sich zwei unterschiedliche Theorien entwickelten, ist es meiner Meinung nach wichtig, die Biographien und Feldforschungen der beiden Vertreter genauer zu beleuchten.

Malinowski wurde 1984 in Krakau geboren, das damals noch zur Habsburger Monarchie gehörte. Er studierte Mathematik, Philosophie und Physik und er hatte einen starken Bezug zu empirischen Naturwissenschaften. Anthropologie studierte er erst an der London School of Economics (LSE).
Seine erste Feldforschung führte ihn auf die Trobriand Inseln, welche britisches Kolonialgebiet waren, wo er den Kula Handel untersuchte. Diese nicht kommerziell orientierte Tauschform dient dazu soziale Bande zu festigen.
Während seines Aufenthaltes brach der erste Weltkrieg aus, und Malinowski, mit seinem österreichischen Pass, wurde unter Hausarrest gestellt wodurch sich seine Forschungsreise erheblich verlängerte. Eine Tatsache, die sicherlich dazu beigetragen hat, seine spätere Theorie zu formulieren. Das Material, welches er dabei sammelte, war so umfangreich, dass er noch 13 Jahre später Bücher zu diesem Thema publizierte. Auf den Trobriand Inseln manifestierten sich auch seine Methoden, die bis in die heutige Zeit ihre Gültigkeit haben:
die ethnographische Feldforschung und die teilnehmende Beobachtung, beides Kernstücke der empirischen Forschung in der heutigen Anthropologie
Malinowski war der Meinung, man muss sich auf die Menschen und die Gesellschaft einlassen, ihre Sprache lernen, an ihrem Leben teilnehmen und sie so aktiv beobachten. Er wollte die Kultur von innen heraus verstehen und trat dafür ein, dass Feldforschung immer über einen längeren Zeitraum hin geschehen sollte um somit die Möglichkeit zu haben, sich auf das Dorf einzulassen.
Malinowski beschäftigte sich mit dem Individuum und vor allem mit den unsichtbaren Fakten, welche die Zusammenhänge zwischen den einzelnen sozialen Organisationen steuern. Kaberry, eine seiner Studenten, gliedert seine Funktionstheorie in drei Stufen: Das Verhältnis zwischen den Institutionen, die Institution so zu verstehen, wie sie von den Mitgliedern der Gemeinschaft definiert ist und wie die Institutionen den sozialen Zusammenhalt im allgemeinen vorantreiben. Malinowski selbst hat diese Stufen nie ausdrücklich niedergeschrieben, sondern Kaberry hat sie aufgrund seiner Texte und Bücher schlussgefolgert. Die Ausgangsebene seiner Herangehensweise waren die sieben Grundbedürfnissen und den darauf bezogenen kulturellen Antworten zusammensetzt. (1)
Im Jahr 1922 wurde „Argonauts of the Western Pacific“, welches mit Sicherheit Malinowskis berühmtestes Werk ist, veröffentlicht. Im gleichen Jahr wurde auch Radcliffe-Browns „The Andaman Islanders“ herausgegeben. Malinowski lehrte an der London School of Economics in den 1920er und 1930er Jahren und seine Theorien und Methoden wurden zwar durchaus kritisch beäugt, fanden aber auch grosse Zustimmung. Seine wichtigsten Schüler waren Edwards E. Even Pritchard, Sir Raymond Firth, Phyllis Kaberry, Issac Schapera, Hilda Kuper und Monica Wilson.
Wie eingangs schon erwähnt unterscheiden sich auch die Werdegänge der beiden sehr von einander. Radcliffe-Brown wurde in Birmingham geboren und schon während seiner Studienzeit erhielt er aufgrund seiner politischen Gesinnung den Spitznamen „Anarchy Bob“ (2)
Er glaubte nicht an die Notwendigkeit von Herrschaft und deswegen galt sein Interesse auch vor allem jenen Gesellschaften, die ohne Staat lebten. Später entwickelte er die Theorie, dass staatenlose Gesellschaften am Besten dann zusammenleben, wenn die untergruppen sich gegenseitig im Gleichgewicht halten. Radcliffe-Brown, so wie auch Levi-Strauss und viele andere, wurde stark beeinflusst von der Gesellschaftstheorie von Durkheim.
In seinem Buch über die Andaman Islanders befasste er sich mit der Bedeutung von Ritualen für die ganze Gesellschaft. Der Ursprung des Rituals liegt in der Geschichte und kann nicht rekonstruiert werden, aber seine Bedeutung für die Mitglieder der Gesellschaft kann nachvollzogen werden. (3) Rituale und Bräuche sind seiner Meinung nach ganz wesentlich um die Stabilität in der Gesellschaft aufrecht zu erhalten. Sein Interesse für die Gesellschaft ist es auch, dass sowohl die theoretischen Ansätze als auch die ethnographische Feldforschung stark beeinflusst haben. (4)Für ihn sind Strukturen die innere Gliederung einer Gesellschaft bzw. eines Gesellschaftssystems. Die Verwandtschftssysteme waren für ihn ein Grundprinzip der sozialen Organisation, und gerade diese soziale Ordung interessierte ihn.
Radcliffe Brown wollte, dass es nur eine Sozialwissenschaft gibt, die alle vereint. Obwohl diese Idee sehr stark von ihm vertreten wurde, fand sie jedoch keine wirklichen Anhänger. Im Gegensatz zu Malinowski hatte Radcliff-Brown viele verschiedene Professuren, zum Beispiel in Südafrika, Australien und den USA, und war ein angesehener Lehrer.

Malinowski war sicherlich weniger theoretisch, dafür mehr empirisch als sein „Rivale“ Radcliff Brown. Und trotz vieler anderer Gegensätze, waren sie beide gleichermaßen bedeutend für die neue Tradition in der britischen Anthropologie. DAS Wort Funktionalismus an sich, ist kein eindeutiger Begriff, und es lässt sich darüber streiten, ob es nicht, bei einer weiteren Definition, auch den Strukturfunktionalismus beeinflusst. Radcliff-Brown war aber ein strikter Verfechter dessen. Viele Schüler Malinowskis zum Beispiel, forschten nach seinen Methoden, beschäftigten sich aber mit den theoretischen Ansätzen von Radcliff-Brown.
Abschliessend ist zu sagen, dass beide eine wichtige Rolle für die Entwicklung der heutigen Kultur und Sozialanthropologie gespielt haben. Auch wenn ihre theoretischen Ansätze teilweise überholt sind, so haben sie durch die Feldforschung und die Kinship Studies immer noch erheblichen Einfluss.




(1) vgl. Alan Barnard, 2000, 67-68
(2) vgl. Frederik Barth, 2005, 23
(3) Bernard, 2000, 71
(4) Bernard, 2000, 75



Quellen:
Barnard, Alan, 2000, „History and Theory of Anthropology”

Frederik Barth, Andre Gingrich, Robert Parkin, Sydel Silverman, 2005 „One discipline four Ways: British, German, French and American anthropology“

www.wikipeda.org

Friday, November 18, 2005

spät aber doch, mein blog